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Natriumbikarbonat (NaHCO₃)

Wirkstoff: Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃)
Substanzklasse:
Lösung mit Wirkung auf den Elektrolythaushalt

Handelsname: Natriumhydrogencarbonat | Natrium-Bicarbonat
→ Ampulle á 20 ml (4,2 % oder 8,4%)
→ Infusionsflaschen á 100 ml oder 250 ml (4,2 % oder 8,4%)

Übersichtstabelle #

INDIKATION

Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva / lebensbedrohliche Hyperkaliämie

metabolische Azidose

KONTRAINDIKATION

  • Hypoventilation

  • Alkalose

  • Hypernaträmie

  • Hypokaliämie

  • Überempfindlichkeit

DOSIERUNG ERWACHSENE

1 – 2 ml / kgKG i.v.


(1 ml = 1 mmol bei 8,4%)

Basendefizit x 0,3 x kgKG = ml 8,4%igen Lösung


initial nur halbe Menge

CAVE

  • unverdünnte nur zentralvenös, sonst zwingend verdünnen


  • keine gemeinsame Anwendung calcium-, magnesiumhaltigen und phosphathaltigen Lösungen

SCHWANGERSCHAFT / STILLZEIT

  • bei Notfallindikation keine Besonderheiten

  • (keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen, plazentagängig)

Wirkung bei metabolischer Azidose & Hyperkaliämie #

Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃) wirkt primär im Kohlensäure-Bicarbonat-Puffersystem, welches den Säure-Basen-Haushalt des Körpers reguliert. Natriumhydrogencarbonat nimmt Wasserstoffionen (H⁺) aus dem Extrazellulärraum auf, wodurch der pH-Wert im Blut steigt. Chemisch reagiert das Bicarbonat (HCO₃⁻) mit den aufgenommenen H⁺-Ionen zu Kohlensäure (H₂CO₃), welche in Kohlendioxid (CO₂) und Wasser (H₂O) zerfällt. Das CO₂ wird anschließend über die Lunge abgeatmet, weshalb eine ausreichende Ventilation Voraussetzung für die Anwendung ist.

Bei gestörter Ventilation kann das gebildete Kohlendioxid (CO₂) nicht ausreichend abgeatmet werden. Dies führt zu einem Anstieg des CO₂-Partialdrucks (pCO₂) im Blut, wodurch Kohlendioxid (CO₂) und Wasser (H₂O) Kohlensäure (H₂CO₃) bilden. Diese zerfällt in Wasserstoffionen (H⁺) und Bicarbonat (HCO₃⁻). Durch die neue Freisetzung von H⁺-Ionen wird die intrazelluläre Azidose verschlimmert.

Eine Korrektur des Säure-Basen-Haushalts und eine damit einhergehende Anhebung des pH-Wertes führt immer zu einer Verschiebung des Elektrolythaushaltes. Es wird vermehrt Kalium (K⁺) in die Zellen aufgenommen, was zu einer Hypokaliämie führen kann (bei Hyperkaliämie erwünschter Effekt). Gleichzeitig wird die Bindung von Calcium (Ca²⁺) an Plasmaproteine erhöht, was eine Hypokalzämie zur Folge haben kann. Beide Elektrolytstörungen begünstigen unerwünschte Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfe, Tetanien und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Wirkung bei Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva #

Im Rahmen der Anwendung als Antidot bei Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva (TCA) wirkt Natriumhydrogencarbonat (NaHCO₃) durch zwei sich ergänzenden Wirkmechanismen, welche der kardialen Symptomatik (QRS-Verbreiterung, Herzrhythmusstörungen) entgegenwirken:

  1. Alkalisierung (Anstieg des pH-Werts): Durch die Erhöhung des pH-Werts weisen trizyklischen Antidepressiva eine geringere Bindungsaffinität zu den Natriumkanälen am Myokard auf, wodurch die Blockade ebendieser Kanäle gelöst wird. Zudem führt der pH-Anstieg zu einer verstärkten Plasmaproteinbindung der trizyklischen Antidepressiva, wodurch die Konzentration der freien, toxisch aktiven Anteile im Blut verringert wird.
  2. Natrium-Load (Erhöhung der Natriumkonzentration): Die Zufuhr von Natrium-Ionen steigert die extrazelluläre Natriumkonzentration, was einen verstärkten Natriumfluss durch die teilweise durch TCA blockierten Kanäle bewirkt, wodurch die Hemmung kompetitiv überwunden wird. Dies führt zu einer verbesserten Depolarisation und verbessert die Erregungsleitung im Herzen.

Nebenwirkungen #

Nebenwirkungen treten vor allem bei Überdosierungen auf und sind bei bestimmungsgemäßer Anwendung nicht zu erwarten:

  • Elektrolytstörungen (Hypernatriämie, Hypokaliämie)
  • lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
  • hypokalzämischen Tetanie
  • Alkalose (Muskelschwäche, Abgeschlagenheit, verringertes Atemzugvolumen)
  • Gewebenekrosen bei paravenöser Injektion
  • Hyperosmolarität

Pharmakokinetik #

Wirkeintritt: 5 – 10 Minuten
Wirkdauer: mehrere Stunden
Halbwertszeit: CO₂ wird abgeatmet, HCO₃⁻ wird renal eliminiert (keine Zeitangabe möglich)

Applikationsweg: i.v. (bei peripherer Gabe zwingend verdünnen)
Applikationsgeschwindigkeit: langsam

Wechselwirkung #

Wirkverlust von:
→ Katecholaminen (in alkalischem Milieu chemisch instabil)

Ausfällung von:
→ Lösungen die Calcium, Magnesium oder Phosphat enthalten


Quellen #

  • Balthasar, B. (2015). Natriumhydrogenkarbonat: Anwendung als Antidot bei Vergiftungen mit trizyklischen Antidepressiva. In ToxInfo Suisse. https://www.toxinfo.ch/customer/files/930/Bikarbonat-A-Blut_2015_d.pdf
  • Bastigkeit, M. (2019). Medikamente in der Notfallmedizin. Edewecht, Deutschland: Stumpf + Kossendey.
  • Body, R., Bartram, T., Azam, F. & Mackway-Jones, K. (2011). Guidelines in Emergency Medicine Network (GEMNet): guideline for the management of tricyclic antidepressant overdose. Emergency Medicine Journal, 28(4), 347–368. https://doi.org/10.1136/emj.2010.091553
  • B. Braun Melsungen AG. (2014, April). Fachinformation Natriumhydrogencarbonat 8,4 %.
  • Fresenius Kabi Deutschland GmbH. (2019, Juni). Fachinformation Natriumhydrogencarbonat-Lösung 8,4 Prozent
  • Gesellschaft für klinische Toxikologie (GfKT), Eyer, F. & Rabe, C. Antidotarium. https://www.rote-liste.de/weitere-informationen/16734_pdf
  • Gollwitzer, J. (2018, 7. November). Natriumbicarbonat bei der Reanimation: keine gute Idee, außer. . .. Foam Rettungsdienst. https://foam-rd.health.blog/2017/09/18/natriumbicarbonat-bei-der-reanimation-keine-gute-idee-ausser/
  • Natriumbikarbonat – ToxInfo. (2026, 28. Februar). ToxInfo. https://www.toxinfo.de/kategorien/antidote/artikel/natriumbikarbonat

Arrhythmie, Azidose, Bicarbonat, Elektrolyt, Elektrolythaushalt, Hyperkaliämie, Intoxikation, Medikamente, NaBic, Natrium, Natriumbikarbonat , Natriumhydrogencarbonat, trizyklischen Antidepressiva
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Updated on 8. April 2026
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Inhaltsverzeichnis
  • Übersichtstabelle
  • Wirkung bei metabolischer Azidose & Hyperkaliämie
  • Wirkung bei Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva
  • Nebenwirkungen
  • Pharmakokinetik
  • Wechselwirkung
  • Quellen

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