Bei der Pankreatitis handelt es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, welche durch eine vorzeitige Aktivierung von Verdauungsenzymen entsteht. Die Pankreatitis kann chronisch oder akut vorliegen, wobei der Rettungsdienst in der Regel bei einem akuten Auftreten gerufen wird.
Ein Großteil der Erkrankten zeigt einen milden selbstlimitierenden Verlauf mit vorrangiger Schmerz- und Verdauungssymptomatik. Im Rahmen schwerer Verläufen kann es jedoch rasch zu Hypovolämie, Sepsis und folgendem Multiorganversagen kommen.
Ursache #
Häufig lässt sich in der Vorgeschichte der Patienten ein Alkoholabusus oder ein bestehendes Gallensteinleiden feststellen. Beim Auftreten der Erkrankung bleiben Gallensteine an der „Vaterschen Papille“ stecken (Duodenalpapille). Dies führt zu einem Stau von Pankreassaft in der Pankreas, welcher Verdauungsenzyme enthält. In der Folge werden diese zu früh aktiviert und es kommt zu einer Autodigestion (Selbstverdauung) der Pankreas.
Durch die Entzündungsreaktion kommt es zu Gefäßschädigungen, Zelluntergang und Ödembildung. Bei schweren Verläufen kommt es zur Nekrosenbildung weitere Bereiche können durch infektiösem Material geschädigt werden.
Neben diese beiden Hauptursachen gibt es weitere mögliche Auslöser, die jedoch deutlich seltener auftreten. Hierzu zählt beispielsweise die Autoimmune Pankreatitis oder Tumorerkrankungen.

(Grafik by Scientific Animations under CC BY-SA)
Symptome #
Das Hauptsymptom sind plötzliche, mittlere bis starke Schmerzen im Epigastrium bzw. Oberbauch, welche wie folgt beschreiben werden:
- bohrende, unangenehme & gleichbleibende starke Bauchschmerzen
- ausstrahlend in Rücken bzw. beide Flanken -> gürtelförmiger Schmerz
- Zunahme in Rückenlage
- Entlastung bei gebeugter Haltung & angezogenen Beinen
Patienten leiden an Übelkeit & Erbrechen, es können übermäßige Blähungen auftreten. Das Abdomen ist gummiartig geblähte (Gummibauch) und es kommt zu Druckschmerz im Oberbauch. Bei einer Auskultation lassen sich reduzierte Darmgeräusche bis hin zum paralytischen Ileus feststellen.
Bei einer äußerlichen Inspektion kann das Cullen-Zeichen (bläuliche Flecken, periumbilikal) oder das Grey-Turner-Zeichen (bläulich-grünliche Flecken an den Flanken) auffallen. Beide Zeichen sind sehr späte Anzeichen, die Verfärbungen der Haut sind Nekrose von umliegendem Gewebe.
Patienten zeigen zusätzlich Fieber und einen reduzierten Allgemeinzustand. In einer Vielzahl von Fällen kommt es zu einer Hyperglykämie. Es kann zu Auffälligkeiten im 12-Kanal-KG kommen (unspezifische T-Wellen-Veränderungen + ST-Hebungen in II, III, avF).
Bei Patienten mit einer schweren Pankreatitis besteht die Gefahr eines Schocks mit einhergehender Tachykardie, Hypotonie und septischen Verläufen.

(Foto by Herbert L. Fred, MD and Hendrik A. van Dijk under CC BY)
Therapie #
Vorrangig sollte der Patient in einer bauchdeckenentspannenden Position gelagert werden oder selbstständig eine ihm angenehme Position einnehmen.
Bei Anzeichen für eine akute Pankreatitis erfolgt eine kontrollierte Volumengabe um auf die Nekrosenbildung und ein mögliches Organversagen zu reagieren. Wenn eine Blutung präklinisch nicht ausgeschlossen werden kann, ist das Ziel eine permissive Hypotension. Bei Hypoxie oder Schocksymptomatik ist eine angepasste Sauerstofftherapie indiziert.
Bei einer notwendigen Analgesie sollten gemäß Leitlinie primär Opioide eingesetzt werden, sofern diese verfügbar sind. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand gilt die frühere Annahme, dass Morphin durch eine Kontraktion der Duodenalpapille den Abfluss des Pankreassekrets relevant behindern könnten, als überholt. Alternativ kann eine Kombination von anderen Analgetika eingesetzt werden.
Wenn notwendig sollte eine Antiemese medikamentös durchgeführt werden. Antibiotika sind präklinisch routinemäßig nicht indiziert (Ausnahme Sepsis oder gesicherte infektiöse Ursache).
Medikamente zur Analgesie #
| Morphin | 2 mg i.v. (0,1 mg / kgKG i.v., Wdh. bis max. 10 mg) |
| Metamizol | 1 g i.v. langsam oder als Kurzinfusion |
| Paracetamol | 1 g i.v. als Kurzinfusion |
Gemäß regionaler SOPs und nach Verfügbarkeit können auch andere Analgetika oder Opioide eingesetzt werden.
Medikamente zur Antiemese #
| Dimenhydrinat | 62 mg i.v. |
| Droperidol | 0,625 – 1,25 mg i.v. |
| Granisetron | 1 mg i.v. |
| Ondansetron | 4 mg i.v. |
Die Auswahl der Antiemetika richtet sich nach der lokalen Verfügbarkeit.
Differentialdiagnostik #
- akutes Koronarsyndrom (vor allem bei Frauen -> diffuse Schmerzen)
- Perforation von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren
- Cholezystitis
- Mesenterialinfarkt
- Ileus
- Appendizitis
- Peritonealgravidität (Bauchhöhlenschwangerschaft)
- Tumorerkrankungen
Quellen #
- Bastigkeit, M. (2019). Medikamente in der Notfallmedizin. Edewecht, Deutschland: Stumpf + Kossendey.
- Beyer, G., Hoffmeister, A., Michl, P., Gress, T. M., Huber, W., Algül, H., Neesse, A., Meining, A., Seufferlein, T. W., Rosendahl, J., Kahl, S., Keller, J., Werner, J., Friess, H., Bufler, P., Löhr, M. J., Schneider, A., Lynen Jansen, P., Esposito, I., Mayerle, J. (2022). S3-Leitlinie Pankreatitis – Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – September 2021 – AWMF Registernummer 021–003. Zeitschrift für Gastroenterologie, 60(03), 419–521. https://doi.org/10.1055/a-1735-3864
- Meuleman, V. G., Schinkel, A. F. L. & Vos, J. (2011). Electrocardiographic abnormalities caused by acute pancreatitis. Netherlands Heart Journal, 19(3), 137–139. https://doi.org/10.1007/s12471-011-0072-x
- Stecher, S.-S. (2023, 14. Februar). Intensivtherapie bei akuter Pankreatitis. https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/die-intensivmedizin/intensivtherapie-bei-akuter-pankreatitis?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54675-4_73#CR67