Bei einem akuten Glaukomanfall kommt es zu einer massiven Erhöhung des Augeninnendrucks durch eine plötzlich auftretende Abflussstörung des Kammerwassers. Es handelt sich bei diesem Glaukom um ein Winkelblockglaukom. Es muss schnellstmöglich eine Therapie eingeleitet werden, da es zu einer irreversible Schädigung am Sehnerv bis hin zur Erblindung kommen kann.
Ursache #
Aufgrund eines plötzlichen Verschluss des Kammerwinkels (Winkelblock) kann das Kammerwasser nicht mehr durch die Schlemmkanäle abfließen. Durch diese Abflussstörung kommt es zu einer Augeninnendruckerhöhung. Im Augeninneren kommt es nun zu einem erhöhten Druck auf die Augenrückseite und damit auf den Sehnerv. Dieser wird beschädigt und es kann zu „blinden Flecken“ oder einer kompletten Erblindung kommen.
Häufig liegt eine anatomische Prädisposition (bspw. enger Kammerwinkel, Weitsichtigkeit) vor. Der akute Glaukomanfall wird oft durch eine Mydriasis (Pupillenerweiterung) ausgelöst, etwa bei Dunkelheit in den Abendstunden, Stress oder durch Medikamenten- bzw. Drogeneinnahme. Zahlreiche Wirkstoffe können einen Anfall begünstigen, darunter Sympathomimetika, Anticholinergika, Antihistaminika, SSRI sowie tri- und tetrazyklische Antidepressiva.
Symptome #
Bei einem Glaukomanfall entstehen die Symptome plötzlich und verschlimmern sich rapide, wobei in der Regel nur ein Auge betroffen ist. Die Schmerzen können dabei auch in nicht betroffene Körperregionen (z.B. das Abdomen) ausstrahlen und eine Diagnose so erschweren.
- dumpfer Schmerz im Auge begleitet von Kopf- und Gesichtsschmerzen (häufig einseitig)
- akute Sehverschlechterung (Nebel- und Schleiersehen)
- Sehen von Farbringen um Lichtquellen
- gerötetes und hartes Auge, getrübte Hornhaut
- entrundete, weite und / oder lichtstarre Pupille
- vegetative Begleitsymptome (Übelkeit & Erbrechen, Bauchschmerzen, selten Herzrhythmusstörungen)

Therapie #
Der Rettungsdienst besitzt keine Möglichkeit zur Therapie von akuten Glaukomanfällen. Aus diesem Grund sollte der Patient zügig einer Fachklinik für Augenheilkunde mit OP-Bereitschaft zugeführt werden. Die Therapie sollte symptomatisch erfolgen. Zur Analgesie und Beruhigung können Opioide und Benzodiazepine nach regionalem Protokoll eingesetzt werden.
CAVE: Keine Gabe von Atropin, Metoclopramid (MCP) oder anderen Parasympatholytika. Durch die Hemmung des Parasympathikus kommt es zu einer Weitstellung der Pupillen (Mydriasis), welche den Abfluss des Kammerwassers blockiert und den Augeninnendruck weiter erhöht!
Eine direkte medikamentöse Therapie des Winkelblockglaukoms wird hier nicht weiter angesprochen, da die notwendigen Medikamente nur selten bis nie auf Rettungsmitteln mitgeführt werden.
Differentialdiagnostik #
- Kopfschmerzen
- Migräne
- Schlaganfall / ICB
Quellen #
- Ahne, T. & Yekdes, T. (2019). Glaukomanfall – wenn das Auge unter Druck steht. retten!, 8(02), 121–128. https://doi.org/10.1055/a-0653-8468
- James Heilman, MD (Abb. 1.): https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Acute_angle_closure_glaucoma.JPG under CC BY-SA
- MSD Manual. (2025, März). Winkelblockglaukom. MSD Manual Profi-Ausgabe. https://www.msdmanuals.com/de/profi/augenkrankheiten/glaukom/winkelblockglaukom