Bei einer Divertikulitis kommt es zu einer Entzündung eines Divertikels (Ausstülpung des Darms), welche sich häufig im Bereich des Colon sigmoideum im linksseitigen Unterbauch befindet. In 95% der Fälle handelt es sich dabei um eine Sigmadivertikulitis.
Ursache #
Die Divertikulitis entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Hierzu zählen genetische Disposition, eine altersbedingte Bindegewebsschwäche sowie ein chronisch erhöhter intraluminaler Druck. Der westliche Ernährungs- und Lebensstil (ballaststoffarme Ernährung, Fleischkonsum, Adipositas und Bewegungsmangel) begünstigt die Ausbildung einer Divertikulitis zusätzlich.
Unmittelbar ausgelöst wird die Divertikulitis wenn sich Stuhl in den Divertikeln sammelt und dort nicht mehr abtransportiert werden kann. Hierdurch kommt es zu Druckläsionen an der Divertikelwand in deren Folge sich Erreger aus dem Stuhl in das umliegende Bindegewebe ausbreiten und zu einer Entzündung führen. Die dortige Entzündung kann zu einer lebensbedrohlichen Peritonitis oder einer Perforation führen.
Symptome #
- linksseitiger Unterbauchschmerz (plötzlich einsetzend, im Verlauf zunehmend)
- linksseitiger Druckschmerz (begleitet von Loslassschmerz und Abwehrspannung)
- erhöhte Temperatur bis Fieber (bei hohem Fieber → Perforation / Sepsis)
- Übelkeit & Erbrechen
- Diarrhö & Meteorismus
- Obstipation (Verstopfung)
Schwere Verläufe kennzeichnen sich durch hohes Fieber, zunehmende Schmerzen im linken Unterbauch mit Abwehrspannung sowie bei septischen Verläufen mit einer Vigilanzminderungen.
Therapie #
Vorrangig steht eine symptomorientierte Behandlung nach ABCDE-Schema sowie eine angepasste Lagerung (Lagerung zur Bauchdeckenentspannung) im Vordergrund des rettungsdienstlichen Handelns.
Zusätzlich sollte eine wirksame Analgesie erfolgen, um physiologische Stressreaktion zu verringern und die klinische Beurteilbarkeit des Abdomens durch Reduktion der reflektorischen Abwehrspannung zu ermöglichen. Ergänzend kann eine medikamentöse Antiemese durchgeführt werden.
Medikamente zur Analgesie #
| Metamizol | 1 g i.v. langsam oder als Kurzinfusion |
| oder | oder |
| Paracetamol (Blutung ausgeschlossen) | 1 g i.v. als Kurzinfusion |
NSAR sollten bei einer Divertikulitis nicht eingesetzt werden, da sie das Risiko einer Perforation oder schweren Blutung erhöhen. Paracetamol kann eingesetzt werden, wenn keine Anzeichen für eine Blutung vorliegen.
Gemäß regionaler SOPs und nach Verfügbarkeit können auch andere Analgetika oder Opioide eingesetzt werden.
Medikamente zur Antiemese #
| Dimenhydrinat | 62 mg i.v. |
| Droperidol | 0,625 – 1,25 mg i.v. |
| Granisetron | 1 mg i.v. |
| Ondansetron | 4 mg i.v. |
Die Auswahl der Antiemetika richtet sich nach der lokalen Verfügbarkeit.
Differentialdiagnostik #
- Appendizitis
- Mesenterialinfarkt
- Perforation von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren
- Nieren- und Harnleiterkolik
- akutes Koronarsyndrom
- Reizdarmsyndrom
- Extrauteringravidität
Quellen #
- Bastigkeit, M. (2019). Medikamente in der Notfallmedizin. Edewecht, Deutschland: Stumpf + Kossendey.
- Carr, S., Bach, K. & Velasco, A. L. (2024, 25. Juli). Diverticulitis. StatPearls – NCBI Bookshelf. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK541110/
- Klinge Pharma GmbH. (2022, März). Gebrauchsinformation: Vomex A® Injektionslösung.
- Leifeld, L., Germer, C. T., Böhm, S., Dumoulin, F. L., Frieling, T., Kreis, M., Meining, A., Labenz, J., Lock, J. F., Ritz, J. P., Schreyer, A. & Kruis, W. (2022). S3-Leitlinie Divertikelkrankheit/Divertikulitis – Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Zeitschrift für Gastroenterologie, 60(04), 613–688. https://doi.org/10.1055/a-1741-5724