Ileus

DBRD-Algorithmus: starke Schmerzzustände (DBRD)
NUN-Algorithmus: Analgesie – Stärkste Schmerzen (NUN)

Unter einem Ileus versteht man einen Darmverschluss, welcher in den mechanischen (Einengung oder Verlegung) und den paralytischen Ileus (Darmlähmung bzw. fehlende Peristaltik) unterteilt wird. Im akuten Stadium kann es zu einer Durchwanderungsperitonitis, ausgelöst durch einen Durchtritt von Darmbakterien in die Bauchhöhle, kommen. In der Folge kommt es zu einem Volumenmangelschock bzw. septisch-toxischen Schock. Ein Ileus kann in jedem Alter auftreten und stellt eine lebensgefährliche Situation dar.

Ursache

Ein mechanischer Ileus kann ausgelöst werden durch:

  • Verdrehung (Volvulus) oder Einstülpung (Invagination) von Darmteilen
  • Eingeweidebruch (Hernie)
  • Verwachsungen (Briden) von Darmteilen
  • Schwellungen in Folge von Entzündungen
  • Tumorerkrankungen

Ein paralytischer Ileus kann durch verschiedenste abdominelle Erkrankungen ausgelöst werden, dabei ist es irrelevant ob diese akut oder chronisch auftreten.

Symptome

Symptome können je nach Ausprägung und Art des Ileus variieren und davon abhängig sein, ob bereits eine lebensbedrohliche Symptomatik eingetreten ist.

  • Übelkeit und Erbrechen (tlw. kotartiges Erbrechen)
  • hartes Abdomen (Peritonismus)
  • somatischer, “dumpfer” Schmerzen (nicht klar definierbar, ausstrahlend)
  • Schocksymptomatik (u.a. Tachypnoe, Tachykardie, Hypotonie, Kaltschweißigkeit, Blässe)

Ein wichtiges Diagnose-Tool ist die Auskultation, hier sollte allerdings immer erst auskultiert und dann palpiert werden. Eine vorherige Palpitation würde die Peristaltik anregen und für einen verfälschten Auskultationsbefund sorgen. In der Auskultation lässt sich häufig Folgendes feststellen:

  • “spritzende” / “metallische” Auskultationsbefunde (mechanischer Ileus, Peristaltik noch vorhanden -> Darminhalt passiert Engstelle)
  • keine Peristaltik im Auskultationsbefund (häufig paralytischer Ileus oder späte Form des mechanischen Ileus)

Therapie

Die Therapie erfolgt symptomorientiert, grundsätzlich ist ein zügiger Transport in eine Klinik mit Viszeralchirurgie notwendig!

Bei Anzeichen eines Schocks sollte eine Sauerstoff- und Volumentherapie (500 – 1000 ml VEL) durchgeführt werden. Aufgrund der starken Schmerzen (je nach Stadium) wird eine Analgesie (Metamizol oder Morphin) empfohlen.

  • komplettes Monitoring (SpO2, 12-Kanal EKG, RR, Temp., BZ)
  • Lagerung: Bauchdeckenentspannung

MEDIKAMENTE GEGEN SCHMERZEN

  • Metamizol (Novalgin): 1 g i.v. als Kurzinfusion (100mg NaCl)
  • Morphin: 2 – 3 mg i.v. schrittweise bis Besserung
  • Esketamin (Ketanest S): 0, 125 – 0,25 mg/kgKG i.v.

MEDIKAMENTE GEGEN ÜBELKEIT

siehe DBRD-Algorithmus: Übelkeit & Erbrechen

Differentialdiagnostik


Quelle

  • Enke, K., Flemming, A., Hündorf, H.-P., Knacke, P. G., Lipp, R. & Rupp, P. (Hrsg.). (2015). Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin (5. Aufl., Bd. 1). Edewecht, Niedersachsen: Stumpf + Kossendey.
  • Bastigkeit, M. (2019). Medikamente in der Notfallmedizin. Edewecht, Deutschland: Stumpf + Kossendey.
  • Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V. (DBRD). (2020). Muster-Algorithmen 2020 zur Umsetzung des Pyramidenprozesses im Rahmen des NotSanG. https://www.dbrd.de/images/algorithmen/AlgoDBRDV5.0Update2020.pdf
  • LV ÄLRD Niedersachsen / Bremen. (2020). „NUN – Algorithmen“ zur Aus- und Fortbildung und als Grundlage zur Tätigkeit von Notfallsanitätern(innen) in Niedersachsen. Abgerufen 14. Juni 2020, von https://lard-nds.de/download/nun-algorithmen-2020-ver-1_1/

Zuletzt aktualisiert am 30. Dezember 2021 von Luca H.

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