Sepsis

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DBRD-Algorithmus: Sepsis
NUN-Algorithmus: Sepsis

Die Sepsis ist eine akut lebensbedrohliche Organdysfunktion, hervorgerufen durch eine inadäquate Antwort des Organismus auf eine Infektion. Im Laufe einer lokalen Infektion treten pathogene Mikroorganismen und/oder ihre Toxine aus dem Infektionsherd in die Blutbahn ein und streuen in den Organismus.

Als Immunantwort folgt eine Vasodilatation und ein Permeabilitätsanstieg. In der Folge wird das Kapillarendothel geschädigt, wodurch es zum Flüssigkeitsverlust aus dem intravasalen Raum mit Ödembildung im Interstitium kommt. Zudem tritt eine disseminierte intravasale Koagulopathie ein (übermäßig starke Blutgerinnung verbraucht Gerinnungsfaktoren = erhöhte Blutungsneigung). Es treten Durchblutungsstörungen mit Minderperfusion auf.

Durch die anhaltende Hypotonie zentralisiert der Körper, hierauf reagiert er mit Tachykardie, Tachypnoe und Vasokonstriktion. Durch das Austreten von Stickstoffmonoxid aus dem Endothel verringert sich der Gefäßwiderstand jedoch weiter und der Blutdruck fällt zunehmend ab. Auch die Schädigung des Kapillarendothel kann nicht verhindert werden, es entsteht ein „capillary leak“.

Da die Minderversorgung der Organe anhält kommt es zum septischen Schock, multiplem Organversagen und letztlich zum Tod.

Noch ausführlicher? Hier gehts zum Fachtext „Sepsis in der Präklinik“!

Ursache

Als Auslöser für eine Sepsis muss immer eine Infektion vorliegen. Mögliche Infektionszeichen und -quellen können sein:

  • jede Infektion als möglicher Auslöser einer Sepsis
    -> z.B. Pneumonie, Harnwegsinfekte, Meningitis, Peritonitis, Tonsillitis, etc.
  • kurzzeitig zurückliegende chirurgische Eingriffe oder Verletzungen
  • Stürze ohne adäquates Trauma
  • besonderes Risiko für eine Sepsis besteht bei:
    -> Alter <1 und > 65 Jahren
    -> Immunschwäche
    -> Implantatträgern
    -> kürzlich erfolgter OP oder invasiver Maßnahme

Symptome

  • extremes Krankheitsgefühl (akute Verschlechterung in den letzten 28h)
  • Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung
  • Fieber oder Hypothermie (letzteres häufig bei älteren Patienten)
  • Tachypnoe und Luftnot
  • Hypotonie & Tachykardie (Zentralisation)
  • Marmorierung des Knies / neu aufgetretene Petechien
Patientin mit schwerem septischen Schock und Ischämiezonen an der Haut, eindrücklich sind die Marmorierung | Foto: Emergency Doc under CC BY-SA 4.0

qSOFA – Sepsis erkennen

Atemfrequenz > 22/min
Vigilanzminderung / GCS < 15 Pkt.
RR sys. < 100 mmHg

Zwei von drei Kriterien und der Hinweis auf eine Infektion reichen für den Verdacht auf Sepsis aus!

Therapie

Die Sepsis ist ein zeitkritischer & lebensbedrohlicher Notfall, mit jeder Stunde ohne Therapie sinkt die Überlebensrate der Betroffenen um 7 – 10%. Aus diesem Grund ist die frühzeitige NA-Nachforderung von hoher Bedeutung. Dieser kann (je nach regionalen Strukturen) Blutkulturen abnehmen und unverzüglich eine Therapie mit einem Breitbandantibiotika beginnen. Die präklinische Gabe von Antibiotika senkt nachweislich die Mortalität bei Patienten mit Sepsis.

Die grundsätzliche Behandlung richtet sich nach dem ABCDE-Schema und priorisiert nach der Schwere der festgestellten Symptome. Daneben kommt eine medikamentöse Therapie wie folgt in Betracht:

Medikamente

  • Infusionslösung (Jonosteril oder Ringer): 30 ml/kgKG Flüssigkeitsbolus i.v. (RDE: 1500 – 2000 ml)
  • Nor-Epinephrin (Nor-Adrenalin): akut: 0,3 – 0,5 mg verdünnt i.v.
    (wenn nicht ausreichend: Vasopressin und/oder Epinephrin zusätzlich)
  • Breitspektrumantibiotikum: schnellstmöglich, je nach Verfügbarkeit
    CAVE: nicht bei schweren „inflammatorischen Zuständen ohne infektiösen Ursprung“ (z.B. Pankreatitis, Brandwunde)

Der Verdacht einer Sepsis sollte, auch bei Vorliegen von anderen Grunderkrankungen, die zu einem Transport
ins Krankenhaus geführt haben, immer deutlich gegenüber dem aufnehmenden Personal kommuniziert
werden und auch auf dem Protokoll deutlich vermerkt werden. So kann eine falsche Fokussierung nach der
Übergabe verhindert werden.


Quellen

Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2021 von Luca H.

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