Alkylphosphat-Intoxikation

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DBRD-Algorithmus: Alkylphosphatintox
NUN-Algorithmus: Intoxikation

E605 Staub
Abb. 1: E605-Staub 1kg-Dose aus dem Jahr 1960

Die Alkylphopsphat-Intoxikation entsteht durch die Einnahme oder den Kontakt mit Alkylphosphaten. Es handelt sich um ein starkes Kontaktgift, Eigenschutz muss zwingend beachtet werden! Alkylphosphate sind als Insektizide (Parathion bzw. E605) seit 2002 verboten. Allerdings werden sie auch heute noch als Nervenkampfstoffe (u.a. Sarin) eingesetzt, andere Nervenkampfstoffe wie VX basieren auf Alkylphosphaten.

Ursache

Durch die Aufnahme von Alkylphosphat kommt es zur irreversiblen Hemmung der Acetylcholinesterase. Diese baut normalerweise Acetylcholin (ACh) ab, welches als Signalstoff im sympathischen und parasympathischen Nervensystem wirkt. Wird die Acetylcholinesterase gehemmt, kann ACh nicht mehr abgebaut werden und es kommt zu einer andauernden Depolarisation der  muskarinergen und nikotinischen Acethylcholinrezeptoren. Die Folge ist eine lebensbedrohliche Parasympathikusaktivierung.

Symptome

Die Symptome zeigen eine massive Dominanz des Parasympathikus. Das zugehörige Toxidrom ist das cholinerge Syndrom, gut zu merken als „langsam & feucht“.

  • Bradykardie
  • Bradypnoe bis Atemlähmung
  • Miosis
  • gastrointestinale Symptome (Stuhl- und Harnabgang, Durchfall, Erbrechen)
  • starkes Schwitzen & hoher Speichelfluss, Tränenfluss
  • Muskelzuckungen
  • Vigilanzminderung

Therapie

Bei Verdacht auf Alkylphopsphat-Intoxikation muss der Eigenschutz beachtet werden, bereits geringste Hautkontakt führt zu schweren Komplikationen. Es empfiehlt sich das Tragen von langer Schutzkleidung, einer Schutzbrille sowie einem doppelten Paar Handschuhen. Frühzeitig sollten Spezialkräfte der Feuerwehr nachgefordert werden!

Der Patient muss vollständig entkleidet werden und kontaminierte Kleidung durch Spezialkräfte entsorgt werden. Vor dem Transport sollte der Patient dekontaminiert werden, um eine Kontamination von Rettungsmittel und Notaufnahme zu vermeiden.

Es erfolgt eine schnellstmögliche Antidot-Therapie durch Atropin. Eine hochdosierte Sauerstoffgabe muss erfolgen, bei insuffizienter Atmung wird assistiert beatmet. Im Zweifel muss der Patient intubiert und maschinell beatmet werden.

Medikamente

  • Atropin: initial 5 mg i.v. (Steigerung bis Wirkeintritt, max. 100 mg)
    → Gabe von Atropin bis zum Rückgang der Symptome (Miosis, Speichelfluss, Schwitzen, Bradykardie)

Quellen

  • Bastigkeit, M. (2019). Medikamente in der Notfallmedizin. Edewecht, Deutschland: Stumpf + Kossendey.
  • B. Braun Melsungen AG. (2019, August). Fachinformation: Atropinsulfat B. Braun 0,5 mg/ml.
  • Kuhnke, R. & Ahne, T. (2020). Alkylphosphatintoxikation – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung. retten!, 9(01), 16–23. https://doi.org/10.1055/a-0978-9323
  • Abb. 1: sakkuya, Public domain, via Wikimedia Commons

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