Epiglottitis

NUN-Algorithmus: Obstruktive Atemnot

Die Epiglottitis ist eine Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis) und ein hochkritischer Kindernotfall, der meistens bei Kindern über 2 Jahren auftritt. Trotz wirksamer Impfung tritt die Erkankung heutzutage aufgrund aktueller Migrationsströme und der zunehmenden Anzahl von Impfverweigerern vermehrt auf.

Gekennzeichnet ist die Epiglottitis durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn mit hohem Fieber und einer rapiden Verschlechterung. Bei einem akuten Auftreten kann es zu lebensbedrohlichen Atemwegsverlegungen kommen.

Endoskopische Aufnahme einer entzündeten Epiglottis | Grafik: Takashi Fujisawa under
CC BY-SA 3.0

Ursache

  • bakterielle Infektion, die zum Anschwellen des Kehldeckels (Epiglottis) führt
    (durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib))

Symptome

Kinder wirken schwer krank und sind extrem abgeschlagen. Durch starke Schmerzen beim Schlucken vermeiden betroffene Kinder das Sprechen und Schlucken, was zu einem erhöhten Speichelfluss (Hypersalivation) führt. Die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme kann deutlich herabgesetzt sein.

  • hohes Fieber (> 39°)
  • inspiratorischer Stridor
  • „kloßige“ Stimme

Abgrenzung zur Laryngotracheobronchitis (Pseudokrupp)

Epiglottitis

Laryngotracheobronchitis (Pseudokrupp)

Fieber

Ja / stark erhöht Nein / leicht erhöht

Halsschmerzen

Ja

Nein

Stimme

kloßig

heiser

Therapie

  • keine Manipulation oder Racheninspektion/Laryngoskopie
  • sitzende Lagerung (Kutschersitz)
  • bei suffizienter Eigenatmung: hochdosiert O2 über Maske
  • bei insuffizienter Atmung: assistierte Beatmung im Sitzen
  • ALLE invasiven Maßnahmen (i.v.-Zugang, Laryngoskopie, etc.) nur unter Sedierung oder Narkose!

Es sollte ein zügiger Transport in eine Kinderklinik (telef. Voranmeldung!) durchgeführt werden, um den Transport nicht zu verzögern sollte ein NA-Rendezvous in Betracht gezogen werden. Während des gesamten Einsatzes sollte das Team jederzeit auf die Notwendigkeit einer Intubation oder notfallmäßiger Koniotomie vorbereitet sein!

Eine medikamentöse Therapie erfolgt nur, wenn dadurch kein Zeitverlust entsteht. Es kann die Gabe von Kortikosteroiden (z.B. Prednisolon) oder die Inhalation von Epinephrin (Suprarenin) in Betracht gezogen werden.

Medikamente

Differentialdiagnostik


Quelle

  • Enke, K., Flemming, A., Hündorf, H.-P., Knacke, P. G., Lipp, R. & Rupp, P. (Hrsg.). (2015). Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin (5. Aufl., Bd. 1). Edewecht, Niedersachsen: Stumpf + Kossendey. S. 556 – 557
  • LV ÄLRD Niedersachsen / Bremen. (2021). „NUN – Algorithmen“ zur Aus- und Fortbildung und als Grundlage zur Tätigkeit von Notfallsanitätern(innen) in Niedersachsen. https://lard-nds.de/download/nun-algorithmen-2021/#
  • Abbildung: Takashi Fujisawa under CC BY-SA

Zuletzt aktualisiert am 12. Juli 2021 von Luca H.

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