Medikamentenplan – Teil 1 (Herz-Kreislauf)

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In dieser Serie stellen wir Euch häufig verschriebene Medikamente vor. Im ersten Teil geht es um Medikamente die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewendet werden.

Im Rettungsdienst treffen wir häufig auf Patienten, die bereits verschiedene Vorerkrankungen haben und aus diesem Grund diverse Medikamente einnehmen. Nicht immer ist dabei in den Medikamentenplänen ausreichend beschrieben, gegen welche Erkrankung die Präparate eingenommen werden und häufig wissen die Patienten dies ebenfalls nicht oder können es uns aufgrund der Notfallsituation nicht mitteilen.

Es kann im Einsatz zu einem großen Vorteil führen, wenn wir einen Medikamentenplan sicher auswerten können. Hilfreich ist es hier, dass Medikamente sich unabhängig vom spezifischen Handelsnamen häufig (aber nicht immer!) anhand der Endungen ihres Wirkstoffes einer Medikamentengruppe zuordnen lassen.

ACE-Hemmer (-pril)
ACE-Hemmer greifen in das RAA-System ein und hemmen die Funktion des ACE (Angiotensin-Konversions-Enzym). Hierdurch wird die Umwandlung von Angiotensin I zu Angiotensin II verringert und dieses kann seine Wirkung (Vasokonstriktion) nur noch vermindert entfalten. Zudem wird die durch Angiotensin II erfolgte Stimulation von Aldosteron vermindert. In der Folge wird die Salz- und Wasserrückresorption in der Niere verringert und der Blutdruck sinkt. ACE-Hemmer führen zudem zu einer Rückbildung von Herz- und Gefäßwandhypertrophie.

Angiotensin-Rezeptoren-Blocker (-sartan)
Angiotensin-Rezeptoren-Blocker greifen ebenfalls in das RAA-System ein. Sie blockieren die AT1-Rezeptoren, an welche das Angiotensin II bindet. Durch die Blockierung der Rezeptoren kann das Angiotensin II seine Wirkung (Vasokonstriktion) nicht entfalten.

Betablocker (-lol)
Betablocker wirken auf die Betarezeptoren und hemmen vorwiegend die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin. In der Folge sinkt die Herzfrequenz und der Blutdruck. Die Betarezeptoren sind verschieden lokalisiert: β1 = Herz; β2 = glatte Muskelzellen, Lunge, Mastzellen, Uterus.

Digitalisglykoside (-oxin)
Digitalisglykoside sorgen durch die Hemmung der Na/K-Pumpe für eine erhöhte Ca-Konzentration in den Zellen. Hierdurch kommt es zu einer positiv inotropen Wirkung (kraftsteigernd), einer negativ chronotropen Wirkung (Herzfrequenz verlangsamend) und einer negativ dromotropen Wirkung (Erregungsleitung verlangsamend).

Diuretika (-id)
Diuretika führen zu einer Veränderung der Harnmenge und der Harnzusammensetzung, die meisten Diuretika steigern den Harnfluss über eine Salurese (Ausscheidung von Salz), d.h. durch die verstärkte Ausscheidung von Elektrolyten (v.a. Na+, Cl−), wodurch Wasser sekundär mit ausgeschieden wird. Hierdurch können Sie auf den Blutdruck Einfluss nehmen und diesen senken.

Kalziumantagonisten (-dipin)
Kalziumantagonisten blockieren die Kalziumkanäle an der glatten Muskulatur. Hierdurch erweitern sich die Blutgefäße und es kommt zu einem Blutdruckabfall. Häufig werden Dihydropyridine eingesetzt, welche hauptsächlich an den Gefäßen wirken und die Erregungsleitung des Herzens nicht beeinflussen. Daneben können auch Phenylalkylamine und Benzothiazepine eingesetzt werden, diese bewirken allerdings immer auch eine Beeinflussung des Herzens.

Nitrate
Nitrate führen zu einer Vasodilatation der Gefäße und somit zu einer Senkung der Vorlast, dadurch kommt es zudem zu einer Abnahme des Herzzeitvolumens und häufig zu Blutdruckabfällen. Man unterscheidet zwischen langwirksamen (Tabletten) oder kurzwirksamen (Spray) Präparaten.

Statine (-vastatin)
Statine sorgen durch eine Hemmung des Schlüsselenzyms der Cholesterinsynthese für eine Senkung des Cholesterinspiegels im Blut. Sie werden vor allem bei Vorliegen einer Hypercholesterinämie eingesetzt.

Thrombozytenaggregationshemmer
Thrombozytenaggregationshemmer werden zur Vorbeugung der Thrombosebildung eingesetzt oder nach Schlaganfall oder ACS verschreiben. Sie hemmen entweder die Thrombozytenaggregation über Thromboxan A2 oder sorgen für eine ADP-induzierte Aggregation der Thrombozyten.


Quellen

  • Cittadino, J. & von Meißner, W. C. G. (2019). Versorgung chronisch Kranker durch den Rettungsdienst. retten!, 8(04), 252–261. https://doi.org/10.1055/a-0653-8489
  • Bechtold, H. (2017). Pharmakologie für den Rettungsdienst: Medikamente in der Notfallversorgung. Urban & Fischer/Elsevier.
  • Enke, K., Flemming, A., Hündorf, H.-P., Knacke, P. G., Lipp, R. & Rupp, P. (Hrsg.). (2015). Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin (5. Aufl., Bd. 1). Edewecht, Niedersachsen: Stumpf + Kossendey.
  • Wikipedia Autoren. (2005, Februar 13). Calciumantagonist. Wikipedia. https://de.wikipedia.org/wiki/Calciumantagonist
  • Amboss. (o. J.). Diuretika. https://www.amboss.com/de/wissen/Diuretika
  • Beitragsbild: Pixabay by Pexels

Zuletzt aktualisiert am 13. Januar 2021 von Luca H.