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title: "Betablocker-Intoxikation"
description: "Eine Intoxikation mit Beta-Blockern stellt ein potenziell lebensbedrohliches Notfallbild dar. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung bei kardiovaskulären Erkrankungen sowohl in der Akut- als auch Langzeittherapie ist eine Intoxikation durch Überdosierungen, Suizidversuche oder Medikationsfehler häufiger als andere Vergiftungen im Rettungsdienst anzutreffen."
url: "https://rd-factsheets.de/fs/betablocker-intoxikation/"
updated: "2025-09-09"
category: Intoxikation
tags:
  - "AV-Block"
  - Betablocker
  - Bewusstseinsstörung
  - Bradykardie
  - Bronchoobstruktion
  - Hypoglykämie
  - Hypotonie
  - Intoxikation
  - Kindernotfälle
  - Krampfanfall
  - Mischintox
  - Propranolol
  - Schwindel
  - Suizid
  - Vigilanzminderung
  - "β1-Rezeptorblocker"
  - "β2-Sympathomimetikum"
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# Betablocker-Intoxikation

Eine **Intoxikation mit Beta-Blockern** stellt ein potenziell lebensbedrohliches Notfallbild dar. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung bei kardiovaskulären Erkrankungen sowohl in der Akut- als auch Langzeittherapie (Hypertonie, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen) ist eine Intoxikation durch **Überdosierungen, Suizidversuche oder Medikationsfehler** häufiger als andere Vergiftungen im Rettungsdienst anzutreffen.

## Ursache

Ursache für eine Intoxikation können neben versehentlichen Überdosierungen und Medikationsfehlern auch unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Suizidversuche sein. Vor allem Kinder gelten bei der versehentlichen Einnahme von Beta-Blockern als Risikogruppe, da bereits für Erwachsene normale Mengen zu schweren Verläufen führen können.

Betablocker sorgen für eine **selektive oder unselektive Blockade von ß-Adrenozeptoren**, wodurch die **Wirkung von sympathomimetischen Stoffen** (u.a. Katecholamine) **unterdrückt und abgeschwächt** wird.

Je nach Substanz können erste Intoxikationssymptome bei Überdosierung **nach 30 Minuten bis zu 2 Stunden** auftreten, es ist allerdings auch eine Verzögerung mit ersten Symptomen nach 6 bis 12 Stunden möglich (Retardtabletten).

Vorsicht ist bei **Mischintoxikation mit Ca-Kanal-Blockern** geboten, hier kann es zu schweren Verläufen kommen.

## Symptome

Die Hauptsymptome zeigen sich im Bereich des Herz-Kreislaufsystem mit **Bradykardie und Hypotonie, bei schweren Intoxikationen einhergehend mit AV-Blockierungen I° und II°**. Bei einigen Präparaten kann es zu zusätzlichen EKG-Veränderungen kommen. Dabei führt der **kardiale Pumpverlust** und seltener die Bradykardie zum kardiogenen Schock.

Zudem können in schweren Fällen **Bronchospastiken mit Atembeschwerden und einer sichtbaren Zyanose**auftreten.

Bestimmte lipophile Betablocker können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wirken zentral dämpfend. Symptome sind **Bewusstlosigkeit, Schwindel, Erbrechen, Atemdepression, Hypoglykämie** und **Krampfanfällen**.

**Bei Kindern** können schon geringe Mengen hoch toxisch wirken und sind oft mit **Krampfanfällen und Hypoglykämie** verbunden.

Vergiftungen mit **Propranolol**weisen die höchste Toxizität auf, bereits geringe Mengen führen zu schweren neurologischen Symptomen. Vergiftungen mit **Metoprolol**, als eines der am häufigsten zu findenden Präparate, zeigen eine mittlere bis hohe Toxizität während **Bisoprolol**eine geringen Toxizität zeigt.

## Therapie

Die Therapie erfolgt grundsätzlich **symptomorientiert**, wobei das Augenmerk auf der Sicherung des Kreislaufs gelegt werden sollte. Zur genaue Klärung sollte stets die **Giftnotrufzentrale kontaktiert werden**, um anhand der Symptome und eingenommenen Menge sowie möglicher Co-Medikation eine spezifische Therapie festzulegen.

Bei einer kurz zuvor getätigten Einnahme (< 1h) von Betablockern, kann der **Einsatz von Aktivkohle** Teile der Präparate im Magen binden und so eine weitere Resorption mit Zunahme der Symptomatik verhindern.

Bei **bestehender Hypotonie sollte ein i.v.-Zugang** angelegt werden und anschließend eine **moderate Volumentherapie** durchgeführt werden, eien Überinfusion sollte vermieden werden.

Starke **Bradykardien können mittels [Atropin](https://rd-factsheets.de/fs/atropin-2/) sowie [Katecholaminen](https://rd-factsheets.de/docs-tag/katecholamin/)**(hohe Dosen aufgrund Hemmung der Beta-Rezeptoren notwendig) behandelt werden.

Bei **schweren refraktärem kardiogenen Schock oder einer Reanimation** sollte der Einsatz einer **VA-ECMO** angestrebt werden.

Eine transkutane Schrittmachertherapie steigert zwar die Herzfrequenz, nicht aber die verminderte Kontraktilität des Herzens und kann daher erfolglos bleiben.

Innerklinisch kann bei Bisoprolol-Intoxikationen eine Dialyse infrage kommen. Zur Steigerung der Herzfrequenz und der Kontraktilität kann zudem Glugacon oder eine Hochdosis-Insulin-Euglykämie-Therapie (HIET) eingesetzt werden.

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## Quellen

- *Calcium channel blockers, beta-blockers and digitalis poisoning: management in the emergency room*. (2005, 1. August). PubMed. [https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16128045/](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16128045/)
- Lauterbach, M. (2019). Clinical toxicology of beta‐blocker overdose in adults. *Basic & Clinical Pharmacology & Toxicology*, *125*(2), 178–186. [https://doi.org/10.1111/bcpt.13231](https://doi.org/10.1111/bcpt.13231)
- Lülsdorff, R. & Hüser, C. (2021, 20. Dezember). *Vergiftungen mit Betablockern*. ToxDocs. [http://toxdocs.de/2021/betablocker/](http://toxdocs.de/2021/betablocker/)
- Rotella, J., Greene, S. L., Koutsogiannis, Z., Graudins, A., Leang, Y. H., Kuan, K., Baxter, H., Bourke, E. & Wong, A. (2020). Treatment for beta-blocker poisoning: a systematic review. *Clinical Toxicology*, *58*(10), 943–983. [https://doi.org/10.1080/15563650.2020.1752918](https://doi.org/10.1080/15563650.2020.1752918)
- Schaper, A., Renneberg, B., Desel, H. & Langer, C. (2006). Intoxication-related fatalities in northern Germany. *European Journal Of Internal Medicine*, *17*(7), 474–478. [https://doi.org/10.1016/j.ejim.2006.04.009](https://doi.org/10.1016/j.ejim.2006.04.009)
