thermischer Schaden / Verbrennungstrauma

NUN-Algorithmus: Thermischer Schaden

Unter einer Verbrennung versteht man eine durch thermische Einflüsse verursachte Schädigung der Haut, welche im Verlauf schädigende Auswirkungen auf den gesamten Organismus zeigt. Es kann zu lebensbedrohlichen Störungen der Vitalfunktion kommen, häufig leiden Patienten unter stärksten Schmerzen.

Ursache

  • Flammen
  • heiße Flüssigkeiten
  • Kontakt zu heißen Gegenständen
  • Strom
  • Chemikalien
  • Explosionen

Verbrennungsgrad

Eine Herausforderungen für den Rettungsdienst ist die Einteilung der Verbrennungen in die unterschiedlichen Verbrennungsgrade. Von der verbrannten Körperoberfläche in Prozent (VKOF %) wird das Ausmaß der Verletzung und die notwendige Therapie abhängig gemacht. Nur die Verbrennungen der Grade 2 – 4 zählen in die Angabe der VKOF.

Abb. 1: grafische Darstellung der Verbrennungsgrade I, II und III

Grad

betroffene Hautschicht

klinisches Bild

I

Epidermis

  • Rötung, Schwellung, trockene Wunde
  • starker Schmerz, Juckreiz

II a

oberflächliche Dermis

  • Blasenbildung, Wundgrund rosig, rekapillarisierend
  • starker Schmerz

II b

tiefe Dermis

  • Blasenbildung, Wundgrund blass, nicht rekapillarisierend
  • reduzierter Schmerz

III

komplette Dermis

  • trockener, weißer tlws. schwarzer, lederartig, harter Wundgrund
  • keine Schmerzen

IV

Subkutis inkl. Unterhautfettgewebe, Muskelfaszien, Muskeln, Knochen

  • vollständige Verkohlung

Als sicheres Anzeichen für ein Inhalationstrauma gelten Verbrennungen im Gesicht, versengte Gesichts- und Nasenbehaarung, Ruß im Gesicht, Sputum und auf den Schleimhäuten oder Zeichen einer Atemwegsobstruktion.

Abb. 2: Neuner-Regel nach Wallace zur Einschätzung der verbrannten Körperoberfläche (VKOF) in Prozent

Die Beurteilung der betroffenen Körperoberfläche sollte mithilfe der Neuner-Regel nach Wallace erfolgen, für Kindern sollten Hilfsmittel genutzt werden.

Therapie

Bei der Erstversorgung unbedingt den Eigenschutz in den Vordergrund stellen. Besonders bei chemischen und elektrischen Ursachen für das Verbrennungstrauma besteht auch Gefahr für den Rettungsdienst.

  • Patienten vollständig entkleiden
  • Anlage von zwei großlumigen i.v.-Zugängen (alternativ i.o.)
  • zügiger Wärmeerhalt
  • bei Stromunfall: zwingend 12-Kanal-EKG

Wundversorgung

Die Brandwunden müssen nach orientierender Beurteilung mit sterilen, nicht haftenden Verbandtüchern (Aluderm) abgedeckt werden. Dies ist auch Teil der Analgesie, da das Vermeiden von Zugluft auf den Wunden zur signifikanten Schmerzreduktion beiträgt.

Volumentherapie

Entsprechend der Leitlinie wird präklinisch eine sogenannte „orientierende Volumenmenge“ von 1000 ml (RDE) verabreicht.

Bekannte Formeln wie Parkland / Baxter sind aufgrund ihrer Fehlerquellen für die Präklinik nicht empfohlen.

invasive Atemwegssicherung

Aus Gründen der Hypothermieprophylaxe ist eine Intubation beim respiratorisch stabilen Patienten zu vermeiden. Bei folgenden Indikationen muss jedoch eine invasive Atemwegssicherung mit maschineller Beatmung erfolgen:

  • schwere Gesichtsverbrennung
  • schwere Ateminsuffizienz
  • progredienter inspiratorischer Stridor
  • ausgeprägte Bronchospastik
  • schweres Lungenödem
  • Bewusstseinstrübung/Bewusstlosigkeit
  • zirkuläre Rumpfverbrennungen
  • schweres thermomechanisches
    Kombinationstrauma
  • Verbrennung von über 50% VKOF

Schmerztherapie 

VKOF < 15 %

Opiate / Opioide wie Morphin, Fentanyl, Sufentanil

VKOF > 15 % und/oder hämodynamischer Instabilität

kombinierte Analgosedierung mit Esketamin und Midazolam

Patienten mit drittgradigen Verbrennungen haben auf Grund der Zerstörung der Nozizeptoren auf der Haut nur einen niedrigen Bedarf an Schmerzmedikamenten.

Zielklinik & Transport

Wenn eine der folgenden Verletzungen vorliegt, soll die stationäre Versorgung in einem Zentrum für Brandverletzte stattfinden:

  • Verbrennung Grad 2 von 10% und mehr Körperoberfläche
  • Verbrennungen Grad 3
  • Verbrennungen an Händen, Gesicht oder Genitalien
  • Verbrennungen durch Elektrizität inklusive Blitzschlag
  • Verätzungen durch Chemikalien
  • Inhalationstrauma
  • Verbrennungspatienten mit Begleiterkrankungen oder Verletzungen, die die Behandlung erschweren
  • Verbrennungspatienten die eine spezielle psychologische, psychiatrische oder physische
    Betreuung benötigen

Die Vermittlung und Koordination von Verbrennungsbetten erfolgt deutschlandweit über die “Zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung von Krankenhausbetten für Schwerbrandverletzte” (ZA-Schwerbrandverletzte) über die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Hamburg.

In Absprache mit dem Notarzt muss entschieden werden, ob der Patient durch ein lokales Krankenhaus erstversorgt werden muss oder ein sofortiger Transport in ein Zentrum für Schwerbrandverletzte (mittels Rettungshubschrauber) erfolgen muss.


Quelle

Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2021 von Luca H.