Lungenödem

DBRD-Algorithmus: Kardiales Lungenödem
NUN-Algorithmus: Kardiales Lungenödem

Bei einem Lungenödem kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen in den Alveolen, welche die Sauerstoffaufnahme verhindern. Als Folge treten Atemnot, eine rasselndes Atemgeräusch oder im schlimmsten Fall ein Atemstillstand auf.

Unterschieden wird das Lungenödem zum einen in seiner Lokalisation in ein interstitielles Lungenödem (in den Zellzwischenräumen) oder in ein intraalveoläres Lungenödem (in den Alveolen). Ein interstitielles Lungenödem entwickelt sich häufig in ein intraalveoläres Lungenödem, da das Interstitium der Lunge nur wenig Flüssigkeit aufnehmen kann.

Zum anderen findet eine Unterscheidung in die Ursachen des Lungenödems statt. Hier wird in kardiales und nicht-kardiales Lungenödem unterschieden.

Ursache

kardiales Lungenödem

Die Ursache für ein kardiales Lungenödem ist ein Pumpversagen des linken Herzens durch diverse Ursachen, diese könnten sein:

Durch die Linksherzinsuffizienz kommt es zu einer Aufstauung des Blutes vor der linken Kammer bis in die Lungenvenen. Die hierdurch entstehende Druckerhöhung im pulmonalen System führt zu einem Übertritt von Flüssigkeit aus der Blutbahn in das Interstitium und anschließend in die Alveolen. Der Sauerstoff hat nun eine längere Strecke zu überwinden, um ins Blut zu gelangen, die Diffusion wird erschwert und der Gasaustausch durch nicht belüftete Alveolen reduziert. Es kommt zu einem Rechts-Links-Shunt, bei dem das Blut im Kurzschluss („Shunt“) vom rechten ins linke Herz fließt, ohne am Gasaustausch teilzunehmen.

nicht-kardiales Lungenödem

Das nicht-kardiale Lungenödem kann verschiedene Ursachen haben, diese sind:

  • permeabilitätsbedingtes Lungenödem
    • toxisch (z.B. Rauchgas)
    • medikamentös
    • infektiös
    • durch Aspiration
  • renales Lungenödem (durch Niereninsuffizienz)
  • Höhenlungenödem (durch erhöhten pulmonal-arteriellen Druck)

Symptome

Je nach Schwere des Lungenödems können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder teilweise komplett fehlen.

  • Dyspnoe
  • Husten mit schaumig, blutigem Auswurf
  • Zyanose & Blässe
  • Unruhe und Erstickungsangst

Bei der Auskultation hört man ein deutlich wahrnehmbares Rasselgeräusch (Brodeln), hinzu kann ein abgeschwächtes Atemgeräusch kommen. Bei der Perkussion ist ein gedämpfter Klopfschall wahrnehmbar. Befindet sich das Lungenödem noch im interstitiellen Stadium, kann evtl. ein Giemen wahrgenommen werden.

Zwingend muss ein 12-Kanal EKG hinsichtlich eines Auslösers (Bradykardie? Tachykardie? Arrhythmie?) analysiert werden. Ein erhöhter Blutdruck kann ein Hinweis auf ein kardiales Problem als Auslöser sein, während ein niedriger Blutdruck ein erstes Zeichen für einen beginnenden/ sich manifestierenden kardiogenen Schock ist.

Therapie

Grundsätzlich erfolgt eine Therapie auf Grundlage der Untersuchungsbefunde direkt auslöserorientiert. Regelmäßig muss bei einem Lungenödem aber erst eine symptom-orientierte Behandlung erfolgen, um die akuten Beschwerden zu reduzieren.

Als grundsätzliche Therapie wird der Oberkörper hochgelagert und mittels Kutschersitz und Lippenbremse die Atmung unterstützt. Es erfolgt eine High-Flow Sauerstoffgabe.

Nicht-invasive Beatmung (NIV)

Bei einem kardialen Lungenödem profitieren Patienten von einer frühzeitigen NIV / CPAP-Therapie, solange sie hierzu noch in der Lage sind.

Indikation für NIV / CPAP bei Lungenödem:

  • starke Dyspnoe & respiratorische Insuffizienz
  • SpO2 < 90 % trotz O2-Gabe
  • AF > 25/min

Bei fehlender Besserung unter NIV / CPAP sollte der PEEP erhöht werden. Durch den höheren PEEP wird mehr Flüssigkeit aus den Alveolen zurück in die Blutbahn gedrückt und es erfolgt auch während der Exspiration eine Oxygenierung (durch erhöhte funktionelle Residualkapazität).

Medikamente

  • Glyceroltrinitrat (Nitrolingual): 2 Hübe = 0,8 mg s.l. (ggf. Steigerung auf 1,6 mg)
  • Furosemid: 20 mg i.v. (ggf. Steigerung auf 40 mg)
  • Urapidil: 0,1 – 0,5 mg/kgKG i.v. titriert
  • Morphin: 2 – 3 mg i.v. schrittweise bis Besserung
  • Prednisolon: 50 mg i.v. (nur bei toxischem Lungenödem, z.B. Rauchgasintox)

Differentialdiagnostik


Quellen

  • Bundesärztekammer (BÄK) Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern. (2019, 22. Oktober). Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz. leitlinien.de. https://www.leitlinien.de/themen/herzinsuffizienz/3-auflage/
  • Deutscher Berufsverband Rettungsdienst e.V. (DBRD). (2021). Muster-Algorithmen 2021 zur Umsetzung des Pyramidenprozesses im Rahmen des NotSanG. https://dbrd.de/images/algorithmen/AlgoDBRDV60Update2021.pdf
  • Enke, K., Flemming, A., Hündorf, H.-P., Knacke, P. G., Lipp, R. & Rupp, P. (Hrsg.). (2015). Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin (5. Aufl., Bd. 1). Edewecht, Niedersachsen: Stumpf + Kossendey. – S. 316-319
  • LV ÄLRD Niedersachsen / Bremen. (2021). „NUN – Algorithmen“ zur Aus- und Fortbildung und als Grundlage zur Tätigkeit von Notfallsanitätern(innen) in Niedersachsen. https://lard-nds.de/download/nun-algorithmen-2021/#
  • Ponikowski, P., et al. (2016). 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal, 37(27), 2129–2200. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehw128

Zuletzt aktualisiert am 21. Juni 2021 von Luca H.

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