Intrakranielle Blutung (ICB)

Die Intrakranielle Blutung ist der Überbegriff für alle Blutungen, die innerhalb des Schädelknochens auftreten. Hierbei unterscheidet man noch in intrazerebrale (im Hirngewebe) und extrazerebrale (z.B. zwischen den Meningen) Blutungen.

Ursache

Es findet eine grobe Unterteilung in traumatische und nicht traumatische Ursachen statt.

Zu den traumatischen Ursachen gehören:

  • Sturzgeschehen
  • körperliche Auseinandersetzungen
  • Verkehrsunfälle, etc.

Zu den nicht traumatischen Ursachen gehören:

  • arterielle Hypertonie mit konsekutiver Ruptur eines Gefäßes (hämorrhagischer Schlaganfall)
  • Komplikation bei Behandlung mit Antikoagulantien
Abb. 1: Epiduralhämatom (li.), Subduralhämatom (Mitte) und Intracerebrale Blutung (re.)

Symptome

Die Symptome einer ICB variieren stark und sind von Schweregrad und Lokalisation der Blutung abhängig. Typische Anzeichen können sein:

  • Vigilanzminderung (GCS < 15)
  • Pupillendifferenz
  • Herdblick
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel / Übelkeit / Erbrechen
  • Meningismus
  • Parästhesien
  • Ataxie
  • Aphasie

Cushing-Trias

  • Bradykardie
  • Hypertonie
  • Pathologische Atmung

Therapie

Da eine endgültige Diagnosestellung erst in der Klinik erfolgen kann, beschränkt sich die Therapie im Rettungsdienst auf einen möglichst schnellen Transport und Maßnahmen zur Verzögerung des Verlaufes und zur Linderung der Symptome.

Eine große Diskussion besteht hierbei darüber, ob eine Senkung des intrakraniellen Drucks (ICP) mithilfe milder Hyperventilation sinnvoll ist. Hierdurch wird zwar eine Senkung des ICP erzielt, allerdings auf Kosten einer verminderten Hirnperfusion und somit Minderversorgung mit Sauerstoff.

  • ggf. Narkose mit hirndrucksenkendem Hypnotikum (Barbiturate, z.B. Thiopental)
  • ggf. milde Hyperventilation mit konsekutiver Vasokonstriktion durch pH-Wert-Verschiebung
    CAVE: vermindertes Sauerstoffangebot!
  • symptomatische Therapie: Senkung der Hypertonie bei RR > 220/130 mmHg

Differentialdiagnostik

Man unterscheidet verschiedene Arten von ICBs. Je nach Verlauf und Symptomatik kann präklinisch eine grobe Einschätzung vorgenommen werden:

  • Epiduralblutung (zu Beginn asymptomatisch, kann aber tödlich enden)
    -> lokalisiert zwischen harter Hirnhaut (Dura mater) und Cranium (Schädel)
  • Subduralblutung
    -> lokalisiert zwischen harter Hirnhaut (Dura mater) und Arachnoidea (Spinnengewebshaut)
  • Subarachnoidalblutung (SAB -> klassisch mit plötzlichem Vernichtungskopfschmerz)
    -> Einblutung in den Subarachnoidalraum

Neben der Einteilung in die verschiedenen Arten muss auch an Krankheitsbilder abseits von einer ICB gedacht werden. So kann ein ischämischer Schlaganfall nahezu die gleichen Symptome verursachen.

Bei unklarer Vigilanzminderung muss zudem auch immer an eine Hypoglykämie gedacht werden.

Anzeichen wie die Cushing-Trias oder ein Herdblick sind aber eindeutige Indizien für das Vorliegen einer schweren intrakraniellen Blutung.


Quellen

Zuletzt aktualisiert am 13. Februar 2021 von Luca H.

Ähnliche Einträge