Alkohol-Intoxikation

Die Alkoholintoxikation (häufig auch “C2-Intox” genannt) ist die häufigste Vergiftung, mit welcher der Rettungsdienst zu tun hat. Gerade bei diesem Notfallbild ist es wichtig, Differenzialdiagnosen oder anderen Erkrankungen (akutes Koronarsyndrom (ACS), Schlaganfall etc.) nicht zu übersehen. Patienten mit Alkoholintoxikation sind in jeder Altersgruppe zu finden, da Alkohol in der Gesellschaft weit verbreitet ist. Der Übergang von Genuss bis hin zur Intoxikation ist häufig fließend und wird nicht rechtzeitig bemerkt.

Ursache

Alkohol wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem, wobei sich die Resorptionszeit nach oraler Aufnahme je nach Magenfüllung zwischen 0,5 bis 3 Stunden unterscheidet. Wichtig ist es, die Einnahmeart des Alkohols festzustellen. Häufig kommt es gerade bei Jugendlichen zur Einnahme abseits des oralen Weges. Gerade bei dieser Patientengruppe ist die Aufnahmen über die Schleimhaut im Rahmen von Alkopops für ihren sehr schnellen Wirkeintritt bekannt. Bei Personen mit Gewöhnungseffekt an Alkohol kann die Wirkung auch deutlich später oder gar nicht auftreten.

Der Grund für die Einnahme von Alkohol sollte immer genau in der (Fremd-)Anamnese beleuchtet werden, um mögliche Differenzialdiagnosen zu prüfen. So ist der Alkoholintox im Rahmen einer psychischen Ausnahmesituation (z.B. familiäre Probleme, Trennung, Frust, Stress) unter Umständen auch mit der Einnahme anderer Substanzen (Mischintox) verbunden und macht eine angepasste Therapie notwendig. Nicht selten kommt es auch zu Suizidversuchen in Verbindung mit Alkohol und Benzodiazepinen oder anderen Medikamenten.

Symptome

Grundsätzlich wird der Alkoholgehalt an der Blutalkoholkonzentration (BAK) bestimmt, welche in Promille (%o) angegeben wird. Anhand dieser lässt sich die Intoxikation in Stadien mit Symptomen einteilen.

BAK

Stadium

Symptome

0,5 – 1,5 %o

Stadium I
Exzitatorisches Stadium

Euphorie, Redseligkeit, Gang- & Koordinationsstörung

1,5 – 2,5 %o

Stadium II
Hypnotisches Stadium

Enthemmung, Aggressivität, Sprachstörung (Lallen), Übelkeit & Erbrechen

2,5 – 3,5 %o

Stadium III
Narkotisches Stadium

Bewusstseinsverlust, Hypoglykämie

> 3,5 %o

Stadium IV
Asphyktisches Stadium

Koma, Schmerzfreiheit, Erlöschen von Schutzreflexen, Atem- & Kreislaufprobleme, Herz-Kreislauf-Stillstand

Therapie

Es hat sich bewährt einen ersten Angriff im Rahmen einer schnellen, 90-sekündigen ABCDE-Diagnostik zu fahren, bei welcher die Atemwege, die Atmung, das Bewusstsein und der Kreislauf geprüft werden. Die Anlage eines vollständigen Monitorings ist notwendig, um eventuelle Begleiterkrankungen zu erkennen.

Basismaßnahmen sind hierbei die Sicherung der Atemwege durch Überstrecken des Kopfes, ggf. Esmarch-Handgriff und Lagerung in der stabilen Seitenlage.

Es sollte zwingend eine Absaugbereitschaft hergestellt werden da Patienten mit Alkoholintoxikation zu Erbrechen neigen und eine Aspiration verhindert werden muss.

Wenn die Patienten bewusstlos sind sollte eine STU durchgeführt werden um keine Begleitverletzungen (z.B. Kopfverletzungen) zu übersehen, eine Pupillenkontrolle kann Aufschluss über ein vorliegendes Schädel-Hirn-Trauma (SHT) geben oder ein Hinweis auf die Einnahme von weiteren Substanzen sein.

Bei einer niedrigen Glukosekonzentration im Blut sollte eine Behandlung der Hypoglykämie erfolgen.

Zudem sollte ein i.v.-Zugang angelegt werden und bei Bedarf eine Flüssigkeitsgabe erfolgen. Die Gabe von Aktivkohle ist kontraindiziert.

Diskussion: Glasgow-Coma-Scale (GCS) & Intubation

Der Glasgow-Coma-Scale wird für die Bewertung von Schädel-Hirn-Traumen (SHT) genutzt und ist aus diesem Grund nicht 1:1 auf eine Alkoholintoxikation anzuwenden. Er sollte nicht als stumpfe Vorgabe gesehen werden, sondern je nach Lagebild als Hilfe zur Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung weiterer vorliegender Aspekte gesehen werden.

Nicht zu vergessen ist, dass eine Intubation jeder Alkoholintoxikation zum einen das, in einigen Gebieten Deutschland sowieso schon knappe, Notarztsystem zur Überlastung führen würde und zum anderen die Klinikstruktur überlasten würden.

Transportverweigerung

Es kann dazu kommen, dass Patienten während der Behandlung aufklaren und eine Behandlung oder einen Transport verweigern. Patienten mit Alkoholintoxikation sind nicht oder nur beschränkt geschäftsfähig und können aus diesem Grund die Konsequenzen der eigenen Entscheidung nicht abschätzen. Im Zweifel sollte die Polizei oder ein Notarzt nachgefordert werden, diese können eine “Zwangseinweisung” durchführen. Mehr dazu im Fachtext “Transportverweigerung im Rettungsdienst“!

Differentialdiagnostik

  • Hypoglykämie
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • epileptischen Anfall & Gelegenheitskrampf

Quelle

  • Kuhnke, R. & Ahne, T. (2019). Alkoholintoxikation – Das sollten Sie wissen für die Ergänzungsprüfung. retten!, 8(04), 244–250. https://doi.org/10.1055/a-0865-8357
  • Enke, K., Flemming, A., Hündorf, H.-P., Knacke, P. G., Lipp, R. & Rupp, P. (Hrsg.). (2015). Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin: Patientenversorgung und spezielle Notfallmedizin (5. Aufl., Bd. 1). Edewecht, Niedersachsen: Stumpf + Kossendey.
  • LV ÄLRD Niedersachsen / Bremen. (2020). „NUN – Algorithmen“ zur Aus- und Fortbildung und als Grundlage zur Tätigkeit von Notfallsanitätern(innen) in Niedersachsen. Abgerufen 14. Juni 2020, von https://lard-nds.de/download/nun-algorithmen-2020-ver-1_1/

Zuletzt aktualisiert am 4. März 2021 von Luca H.

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